23. September 2017

23. September 2017

Jede Wertung, die die Menschen über Wesen und Dinge machen, rührt von einem Vergleich her. Sie ziehen diesen oder jenen Menschen, dieses oder jenes Ding einem anderen vor. Um vorzuziehen, um Stellung zu nehmen, muss man in gewisser Art einen Vergleich gemacht haben, und so vergleichen sie ihr ganzes Leben lang ihr Haus, ihren Wagen mit dem des Nachbarn und sie versuchen denen, die mehr Dinge besitzen, die schönere und bessere Dinge haben, gleichzukommen, weil sie glauben, die anderen seien glücklicher.

Was materielle Dinge betrifft, so sind die Menschen großartig mit ihren Vergleichen. Aber im spirituellen Bereich kann man sie nicht dazu bringen, Vergleiche zu ziehen. Wenn sie einen Weisen antreffen, ein selbstloses Wesen, von Liebe erfüllt, Herr seiner selbst, fragen sie sich nicht: »Wie bin ich denn im Vergleich zu ihm?« Nun, mit dieser Mentalität ist es unmöglich, Fortschritte zu machen. Um weiterzukommen, muss man sich mit außergewöhnlichen Wesen vergleichen, mit allen großen geistigen Meistern der Menschheit und sich sagen: »Wie kann ich mein Verständnis dem ihrigen anpassen? Wir wollen mal sehen, ob sie mir nicht eine bessere Art des Denkens und des Lebenswandels beibringen können.«

22. September 2017

22. September 2017

Gewöhnt euch an, das Leben der Natur zu betrachten und ihm zuzuhören: die Steine, die Pflanzen, die Tiere, aber vor allem die vier Elemente, Erde, Wasser, Luft, Feuer sowie die verschiedenen Aspekte, unter denen sie vor uns erscheinen, als Felsen, Sand, Regen, Schnee, Wind, Wolken, Sonne, Sterne… Es gibt da so viele Dinge zu beobachten und zu deuten!

Betrachtet nur einmal die Wolken, ihre Dichte, ihre Umrisse, ihre Farben: Man könnte gelegentlich meinen, man sähe Gruppen von Reitern, Kämpfe, Feste… Es sind die Luftgeister, die man Sylphen oder Elfen nennt, die da ihre Arbeit machen. Denn dort oben existiert ein ganzes Leben, das sich durch vielfältige Formen ausdrückt: als Gesichter, Vögel, Herden, Landschaften. Es gibt sogar Schriften. Wir wissen sie noch nicht zu entziffern, aber das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir uns von diesen Bildern durchdringen lassen, dass wir sie bewusst in uns aufnehmen, denn auf diese Weise treten wir in Kontakt mit dem Leben der Natur.

Die Kardinalfeste

Die Kardinalfeste

Aus Gesamtwerk 32: Die Früchte des Lebensbaums, Kapitel 17, Die Kardinalfeste

In ihrer Bahn durch den Tierkreis durchläuft die Sonne jedes Jahr die vier Kardinalpunkte (Tag- und Nachtgleichen, Sommer- und Wintersonnenwenden). Die Tag- und Nachtgleichen entsprechen den zwei Tagen im Jahr, an denen die Sonne über den Äquator geht. Tag und Nacht sind dann gleich lang, es sind der 21. März und der 22. September. Die Sonnenwenden entsprechen den zwei Tagen, an denen die Sonne jeweils ihren größten Winkelabstand von der Ebene des Äquators erreicht: Es sind der 21. Dezember, die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag, und der 21. Juni, die Sommersonnenwende, der längste Tag.

An diese vier Punkte (Tag- und Nachtgleiche, Sommer- und Wintersonnenwenden) sind vier sogenannte Kardinalfeste geknüpft: Weihnachten, Ostern, das Johannisfest und das Michaelsfest. Diese Feste wurden von den Eingeweihten eingerichtet, um die Menschen daran zu erinnern, dass die Sonne zu diesen Zeitpunkten ganz besonders mächtige Kräfte im gesamten Universum auslöst und sie diese, wenn sie sich ihrer bewusst sind, aufnehmen und zu ihrer Entwicklung nutzen können. Der Übergang von einer Jahreszeit in die andere findet an diesen vier Punkten statt. Sie gleichen außergewöhnlichen Kraftknoten, die für die jeweilige Jahreszeit bestimmt sind. Das Aussenden dieser Kräfte wird von großen Geistern organisiert und geregelt, die viele andere Geister von geringerer Größe unter sich haben. Diese sind mit der Verteilung der Energien auf der Oberfläche des Planeten beauftragt. Eine Vielzahl von Geistern ist für diese Arbeit eingespannt. Man darf nicht meinen, dass alles in der Natur mechanisch geschieht. Nein, alle Veränderungen geschehen durch die Mitwirkung von Wesenheiten, die den Auftrag haben, sich um Steine oder Pflanzen, um die Tiere oder die Menschen zu kümmern.

Beginnen wir mit der Tag- und Nachtgleiche des Frühjahrs am 21. März. Sie steht unter dem Einfluss des Erzengels Raphael. Raphael ist derjenige, der den von ihm regierten Wesenheiten den Befehl gibt, an der Vegetation zu arbeiten und überall wachstumsfördernde und regenerierende Kräfte hinzuschicken.

Erzengel Raphael lebt in der Sphäre von Merkur. Sein Name bedeutet Arzt Gottes. Die Aufgabe dieses Erzengels und aller Engel, die ihm unterstehen, besteht darin, an der göttlichen Kraft so zu arbeiten, dass sie zur Heilkraft wird. Die anderen Erzengel, die die anderen Jahreszeiten regieren, geben der göttlichen Kraft eine andere Wellenlänge und übermitteln ihr andere Tugenden. Die Menschen der Antike, die am Wissen von Raphael teilhaben wollten, wählten ganz bestimmte Tage und Formeln aus, um sich mit ihm zu verbinden. Auf diese Weise wurden ihnen manche Offenbarungen über die spezifischen Eigenschaften der Pflanzen zuteil. Der griechische Gott der Medizin, Äskulap, war mit den Kräften des Hermes (oder Merkur, wie er auch heißt), verbunden. Es ist also kein reiner Zufall, dass der Merkurstab durch Jahrtausende hindurch das Symbol der Medizin geblieben ist. Aus diesem Grunde solltet ihr – wenn der Frühling beginnt – daran denken, euch mit Erzengel Raphael zu verbinden. Bittet ihn, euch die Geheimnisse der Pflanzen, der Samen und der Blumen zu offenbaren, damit ihr von allen guten Einflüssen, die in ihnen enthalten sind und die sie um sich herum verbreiten, profitieren könnt.

Der Frühling bringt die Auferstehung der gesamten Natur mit sich und erinnert den Menschen daran, dass auch er auferstehen muss, vielleicht nicht physisch, das ist nicht so gut möglich, aber spirituell. Genauso wie der Pflanzensaft in der Vegetation wieder aufzusteigen beginnt, um sie wiederzubeleben, muss der Mensch daran arbeiten, dass der spirituelle Saft auch in ihm aufsteigt, um seine feinstofflichen Körper zu beleben.

Das große christliche Frühlingsfest ist das Osterfest, an dem die Auferstehung Christi feierlich begangen wird. So treffen das Leben der Natur und das Leben der Seele zusammen. Wer mit der Wissenschaft der Symbole vertraut ist, weiß, dass das Leben eines Eingeweihten viele Entsprechungen zum Leben der Natur hat. Das Leben eines Eingeweihten besteht aus einer Folge von symbolischen Episoden, die nach einer bestimmten Ordnung zu einem bestimmten Zweck zusammengestellt sind. Das Leben Jesu folgt nichts anderem als der Entwicklung der Erde und des Universums, es ist ein allumfassendes Symbol. Das Universum wurde wie Jesus geboren, wie er wird es auch gekreuzigt werden, und wie er wird es auferstehen (* Über das Osterfest siehe Band 209 »Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre« aus der Reihe Izvor). Die traditionelle Literatur aller Länder enthält eine Fülle von Märchen und mythischen Berichten und Erzählungen, in denen sich die Kräfte des Lichtes und der Finsternis eine Schlacht liefern. Am 21. Juni zur Sommersonnenwende, treten wir in eine Zeit ein, in der das Licht siegreich ist. Einige Tage später, am 24. Juni, wird das Johannisfest gefeiert, an dem es der Brauch ist, die ganze Nacht hindurch Feuer brennen zu lassen. Die Sommersonnenwende wird von Erzengel Uriel regiert. Die Kirche hat diesen Erzengel vollkommen außer Acht gelassen. Aber da sie Gabriel, Raphael und Michael erwähnt, welche die drei anderen Hauptfeste, Tag- und Nachtgleiche im Herbst und Frühjahr und die Wintersonnenwende regieren, kann man sich fragen, warum sie Uriel verschweigt.

Uriel ist ein Erzengel des Lichtes. Sein Name bedeutet: Gott ist mein Licht. Das Johannisfest wird gefeiert, wenn die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs eintritt, das von Venus beherrschte Zeichen. Das ist sicher kein Zufall, denn das Johannisfest ist das Fest des Feuers und der Wärme, welche die Früchte und alle Dinge reifen lassen. Während des Sommers glüht die ganze Natur wie unter Feuer. Dieses Feuer ist aber auch das Feuer der körperlichen, sinnlichen Liebe. Und es ist bekannt, dass es in manchen Ländern in der Johanninacht zu sexuellen Ausschweifungen kommt. Ohne Zweifel ist das der Grund, warum die Kirche Erzengel Uriel und das Fest des Sommers lieber nicht feiert.

Auf dem Baum des Lebens ist Uriel der Erzengel der Sephira Malkuth, der Erde, und als solcher in Verbindung mit dem inneren Feuer des Planeten. Diesem Erzengel untersteht eine ganze Hierarchie von Engeln. Einige von ihnen arbeiten an den Metallen und Edelsteinen, eine Aufgabe, die die Griechen dem Gott Hephaistos oder Vulkan zuordneten. Vulkan arbeitete an den Steinen und an den Metallen. Zu diesem Zweck musste er das Feuer verwenden, denn allein das Feuer vermag sie zu schmelzen und schmiedbar zu machen.

Man darf die unterirdischen Regionen des metallischen und des mineralischen Feuers nicht mit den Regionen des Höllenfeuers verwechseln. Trotzdem sie nahe beieinander liegen, ist die Hölle eine Welt für sich, völlig getrennt von der Region, in welcher das Feuer seine Arbeit an den Metallen und Steinen macht. In diesen unterirdischen Werkstätten sind göttliche Geister am Werk. In der Hölle hingegen leben die gefallenen Seelen.

Wenn der Mensch während dieser Zeit der Sommersonnenwende, in der das Licht am mächtigsten ist und Nacht, Dunkelheit und Finsternis zurückweichen, bewusst und aufmerksam ist, dann werden ihm große Möglichkeiten gegeben, der inneren Finsternis den Kampf anzusagen. Und er kann darauf hoffen, sie zu besiegen. Denn dann, wenn die Nächte wieder länger werden, das Licht schwächer und die Einflüsse, die den Kreislauf aller Lebensströme verlangsamen und zusammenziehen, stärker werden, ist nicht die Zeit solche Arbeiten in Angriff zu nehmen. Es herrschen nicht mehr die inneren und äußeren Bedingungen, um den feindlichen Kräften die Stirn zu bieten. Solange das Licht jedoch siegreich ist, können diejenigen, die wirklich eine bedeutende Arbeit für die Welt machen wollen, das auch bewerkstelligen. Falls es ihnen schon gelungen ist, ihre persönlichen Probleme zu regeln, haben sie das Recht und sogar die Pflicht, weiter zu gehen.

Als Erzengel des Feuers ist Uriel nicht nur mit dem physischen, irdischen Feuer verbunden, sondern auch mit dem Feuer der wunderbaren sexuellen Energie, die in den Geschöpfen brodelt. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, dass man mit diesem Erzengel arbeiten lernt. Denn es ist wesentlich, mit dem Feuer zusammenzuarbeiten, damit man fähig wird, alles zu sublimieren. Denn was ist die Sublimation? Der Übergang von einem Zustand in einen anderen, und den vollzieht die Wärme. Unter 0°C tritt das Wasser im festen Zustand von Eis auf. Erwärmt es ein bisschen, dann schmilzt es schon bei 1°C und ihr erhaltet Wasser. Erwärmt es noch weiter bis auf 100°C dann verwandelt es sich in Dampf. Wollt ihr dann weiter den im Dampf enthaltenen Sauerstoff und Wasserstoff voneinander trennen, dann braucht ihr eine noch größere Hitze. Wenn die Ingenieure zur Umwandlung bestimmter Flüssigkeiten oder Gase sehr hohe Temperaturen verwenden, gibt es für sie nur ein Problem: Ihre Apparate, Stromkreise und Leitungen müssen aus einem Material beschaffen sein, das solche Temperaturen aushalten kann.

Alle diese Vorgänge, die die Schulwissenschaft in der Materie anzuwenden versucht, kennt man in der esoterischen Wissenschaft schon seit uralten Zeiten. Die Eingeweihten, welche die Natur des Menschen erforschten, haben schon lange festgestellt, dass im Organismus ganze Stromkreise, Verzweigungen und Kanäle existieren, die ein Kreisen und Umwandeln ermöglichen. Es handelt sich weder um das System des Blutkreislaufs, seien es nun Kapillaren oder sehr feine Blutgefäße, noch um das Nervensystem, dessen Fäden noch viel feiner sind. Es handelt sich um noch andere, viel feinstofflichere Einrichtungen, mit denen man die Materie ganz exakt verwandeln, verfeinern und in einen ätherischen Zustand bringen kann. Dieser Prozess läuft beständig im Organismus ab, dank einem Netzwerk, das dort eingerichtet ist – in den Lungen, dem Herzen, dem Gehirn, vor allem aber in der Wirbelsäule. Diese sehr komplexen und feinstofflichen Systeme hat die kosmische Intelligenz in uns eingerichtet.

Alle diese Prozesse und Umwandlungen vollziehen sich – natürlich einmal mehr einmal weniger – in jedem Menschen, und sehr oft ohne sein Wissen. Ununterbrochen ist in Körper und Seele eine spirituelle Alchemie im Gange. Nun geht es darum, sie sich bewusst zu machen und zu wissen, dass wir alle in uns über die notwendigen Einrichtungen verfügen, um unbearbeitete Materie zu sublimieren und sie durch die Kanäle zu leiten, die sie in immer feinstofflichere Regionen leiten. Wie soll man sich nun auf einen solchen Sublimierungsprozess vorbereiten? Indem man ein reines, harmonisches Leben führt und sich bewusst all den mächtigen Lichtströmen öffnet, die der Himmel uns sendet.

Der 22. September ist der Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche, die der Erzengel Michael regiert. Die Sonne tritt dann in das Zeichen der Waage ein und eröffnet so einen neuen Zyklus. Die Früchte fallen von den Bäumen und trennen sich von ihren Hüllen, die Körner werden verlesen und je nachdem gegessen oder aufbewahrt. Später werden sie gepflanzt, damit ein neuer Zyklus beginnen kann. Dieser Trennungs- und Ausleseprozess in der Natur betrifft aber nicht ausschließlich die Vegetation, sondern auch den Menschen. Wie sich die Frucht vom Baum und der Same von der Frucht trennen, so trennt sich auch die Seele vom Körper, wenn nicht auf der physischen, so wenigstens auf der spirituellen Ebene. Der Körper stellt die Hülle dar und die Seele den Samen, der oben im Himmel gesät wird. Am Tage, an dem diese Frucht – der Mensch – reif ist, muss sie nicht wie der Same einer Pflanze wieder in den Boden zurück, sondern darf zum Himmel aufsteigen. Im Herbst findet die Trennung statt, die Hermes Trismegistos meint, wenn er sagt: »Du sollst das Feine vom Groben scheiden, und zwar sanft und mit großer Kunstfertigkeit«. Das Feine vom Groben trennen bedeutet, das Spirituelle vom Materiellen trennen. Im Herbst findet dieser Trennungsprozess in der gesamten Natur statt, um neues Leben vorzubereiten. Genau wie Erzengel Michael die Seele vom Körper trennt, indem er den Körper sterben lässt, genauso lässt der Eingeweihte eine Materie in sich absterben, damit sich das Leben befreien kann.

Die Trennung ist ein Gesetz des Lebens. Denkt nur an die Ernährung. Es gibt immer wieder etwas auszulesen, zu putzen und zu schälen, und das, was wir auf der materiellen Ebene so leicht tun, müssen wir auch auf der spirituellen Ebene tun können. Leider ist es dort sehr schwierig. Die meisten Leute wissen nicht, was sie wegnehmen oder hinauswerfen sollen und schlucken alles, so wie die Katze die Maus mit Fell und Eingeweide verschlingt! Das müssen wir also jetzt bei Erzengel Michael lernen, das Auslesen, das Unterscheiden; das Reine vom Unreinen, das Nützliche vom Unnützen, das Schädliche vom Wohltuenden, das Tote vom Lebendigen. In einem Mangel an Unterscheidungsvermögen liegt die Ursache allen Unheils.

Erzengel Michael trennt die Seele vom Körper, denn die Seele muss reisen, andere Regionen des Weltenraumes aufsuchen, statt ewig auf der Erde zu verweilen. Der Eingeweihte, der die Natur beobachtet hat, sagt sich: »Meine Seele ist gefesselt, wie kann ich sie befreien? Wie kann ich sie aus dieser dichten Materie herauslösen?« Man muss darauf warten, bis sie reif ist. Dann wird Erzengel Michael sie aus ihrer Schale befreien. Das Michaelsfest hat einen außerordentlich tiefen Sinn für diejenigen, die verstanden haben, dass es ihnen die vollständige Befreiung bringen kann.

Der Tod, das Verlassen des physischen Körpers ist ein Aufstieg zu den höheren Regionen. Die Seele wird von Erzengel Michael weggetragen und von ihm auf seiner Waage gewogen. Sein Schwert durchtrennt die Bande, die den Menschen auf der Erde zurückhielten, dann wird die Seele gewogen, gerichtet und in die ihrer Entwicklungsstufe entsprechende Region geschickt.

Die Kräfte, die Erzengel Michael regiert, sind Kräfte des Gleichgewichts und der Gerechtigkeit, also des Unterscheidungsvermögens zwischen Gut und Böse, mit dem Ziel, das Gute zu befreien und das Böse umzuwandeln. Gut und Böse sind aber derart verflochten, dass man sie nicht vorzeitig voneinander trennen kann, ohne dass Risse dabei entstehen würden. Die Kunst, Gegensätze voneinander zu trennen, ist die schwierigste, die es gibt. Seit eh und je haben sich die Eingeweihten von der Natur in dieser Kunst unterweisen lassen. Man kann die Nuss nicht von ihrer Schale trennen, doch die Natur weiß, wie sie es machen muss: Sie bringt die Frucht zur Reife, die Schale öffnet sich von selbst und die Nuss befreit sich. Dasselbe geschieht mit dem Kind im Mutterleib. Es ist mit ihr verbunden und man kann es nicht frühzeitig von ihr trennen, sonst sterben beide. Wenn man aber wartet, fällt die Frucht von selbst und man kann das Band zwischen Mutter und Kind durchtrennen. Diese Trennung ist ein Symbol der Reife.

Denkt an die Parabel vom Unkraut und dem Weizen im Evangelium. Der Besitzer des Feldes antwortete seinen Arbeitern auf die Frage ob sie das Unkraut zwischen den Weizenhalmen ausreißen sollten: »Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut den Weizen aus. Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune.« Die Zeit der Ernte ist die Zeit, in welcher die Früchte reif sind. Um das Gute vom Bösen trennen zu können, muss man also diese Zeit abwarten. Diese Trennung ist das Werk des Erzengels Michael.

Erzengel Michael ist es, der die entscheidende Rolle beim Reinigungsprozess der Erde spielen wird. Im Laufe der Jahrhunderte hat eine Vielzahl schädlicher Wesen unermessliche zerstörerische Kräfte verbreitet. Diese Kräfte haben sich in einem Reservoir angesammelt und die Form eines Ungeheuers angenommen, das man Drache oder Schlange nennt. Von diesem Ungeheuer wird gesagt, es verleite die Nationen, führe die Kinder Gottes auf Irrwege und erschaffe alles Unheil der Menschheit. Dieses Egregore besitzt eine ungeheure Kraft. In der Vergangenheit haben kühne, selbstlose Menschen einen unerbittlichen Kampf gegen den Drachen geführt. Bis heute ist es aber keinem gelungen, den Sieg davonzutragen. Wenn die Zeit aber reif ist, wird Erzengel Michael sich erheben und ihn zu Boden werfen. Erzengel Michael ist der Einzige, der dieses Egregore besiegen kann. Mit Hilfe seines Heeres wird er verwirklichen, was so viele seit Jahrhunderten vom Schöpfer erbitten. Seine Tat ist in der Apokalypse und in den heiligen Büchern vorhergesagt worden. Aus diesem Grunde müssen wir uns mit Erzengel Michael verbinden, ihn um seinen Schutz bitten und um die Möglichkeit, mit ihm wirken zu dürfen, um seinen Sieg zu verstärken. Das Licht wird die Finsternis überwinden, das ist vorausgesagt und so wird es sein. Warum sollte man also nicht an diesem Ereignis teilnehmen wollen? Die Kinder Gottes, deren Namen in der Liste derer stehen werden, die am Kampf des Erzengels Michael teilgenommen haben, dem Genius der Sonne, einer der lichtvollsten Kräfte Gottes, werden den Kuss des Feuerengels empfangen. Und dieser Kuss wird sie nicht verbrennen, sondern erleuchten.

Am 21. Dezember findet die Wintersonnenwende statt, die von Erzengel Gabriel regiert wird. Ein paar Tage später ist das Weihnachtsfest, an dem eine Geburt gefeiert wird, d.h. etwas, das herabsteigt in die Materie, das sich verdichtet, kristallisiert, genauso wie im Winter alles unbeweglich wird und erstarrt.

Erzengel Gabriel lenkt die Kräfte, die die Eigenschaft haben, die Materie zu verdichten. Er ist der Erzengel des Mondes, der die Dinge kondensiert. Wäre der Mond nicht von anderen Einflüssen daran gehindert worden, dann hätte er alles – Pflanzen, Tiere und Menschen – materialisiert und versteinert. Erzengel Gabriel kümmert sich also um den Materialisierungsprozess. Wenn die Eingeweihten eine Idee oder einen Plan materialisieren wollen – selbst wenn diese Materialisierung keiner eigentlichen Geburt entspricht – benützen sie dieses Fest, um ihr Ziel zu erreichen, weil dann überall die Bedingungen dafür herrschen. Zu dieser Zeit wird etwas auf der Erde geboren. Die anderen Hauptfeste entsprechen eher einer Befreiung, einer Auferstehung und einem Entflammen; nur das Weihnachtsfest ist mit einer Verwirklichung auf der Erde verbunden (Über das Weihnachtsfest siehe Band 209 »Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre« aus der Reihe Izvor).

Die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden, d.h. die vier Hauptfeste, sind also die vier wesentlichen Zeitpunkte des Jahres. Sie werden regiert von Merkur (Frühjahrs-Tagundnachtgleiche), Venus (Sommersonnenwende), der Sonne (Herbst-Tagundnachtgleiche), und dem Mond (Wintersonnenwende). An diese Punkten feiert die ganze Natur. Die Engel, die Erzengel, alle Kräfte der Natur und sogar die Göttliche Mutter selbst nehmen an diesem Fest teil. Nur die Menschen, die sich der Bedeutung dieser Feste nicht bewusst sind, wissen nicht, wie sie diese besonders günstigen Momente leben sollen, in denen wunderbare Kräfte das Universum durchströmen.

Schaut euch an, wie die meisten Menschen diese Feste feiern, ganz besonders Weihnachten. Für sie sind diese Feste nur günstige Gelegenheiten zur Prasserei, für Ausschweifungen und Torheiten aller Art, nach denen sie sich dann geschwächt und schlapp wiederfinden. Ein Fest wie Weihnachten, das ihnen Erneuerung und Licht bringen sollte, bringt ihnen letztlich nur eine Trübung des Bewusstseins.

Neulich habe ich im Fernsehen eine Sendung zum Thema »Feiern« gesehen. Man hatte Schriftsteller, Filmemacher, Soziologen und Journalisten dazu eingeladen. Alle sagten, das Feiern tue einem gut, es sei angenehm, bringe Entspannung, Unterhaltung und Abwechslung von der täglichen Arbeit… Dabei ist mir aufgefallen, dass alle nur von Vergnügen sprachen, von Zerstreuung und Zeitvertreib. Nie war die Rede davon, wie man von dieser Ruhezeit, von dieser Freude profitieren könnte, um voranzukommen, sich zu entwickeln, schöner, edler und strahlender zu werden. Ich war sprachlos. Alle sagten, man müsse sich amüsieren, sich vergnügen und sogar »die Zeit totschlagen«. Keiner kam auf die Idee zu sagen, dass das Feiern auch dazu beitragen kann, dass der Mensch sich erhebt, besser wird, edler wird.

Verzeiht mir, vielleicht bin ich etwas eigenartig, vielleicht sogar ein ausgemachter Sonderling. Aber was wollt ihr, für mich müssen alle Tätigkeiten, alle Beschäftigungen, alle Feste einem einzigen Ziel, einem spirituellen Ideal dienen: wie man besser wird, wie man nützlicher wird. Natürlich kann man so handeln wie jedermann. Ihr könnt Feste feiern, wenn es euch Spaß macht, aber ihr werdet ewig dieselben bleiben, schwach, kümmerlich, unentschlossen, Sklave, Opfer, trotz all eurer Muße und eurer Vergnügungen. Warum? Weil euch ein Ideal fehlt. Ich komme immer wieder auf dieses Thema zurück und frage jemanden: »Was haben Sie für ein Ideal? – Oh! Ich weiß es nicht… – Dann ist es aus mit Ihnen.« Aber ja, die Menschen haben nicht begriffen, welchen Vorteil es bedeutet, ein erhabenes Ideal, ein Ideal der Vollkommenheit zu haben. Nur das gibt dem Leben einen Sinn.

Sèvres, den 29. September 1958

Die Kardinalfeste - Auszug aus Gesamtwerk 32 "Die Früchte des Lebensbaums", Kapitel 17 "Die Kardinalfeste" - 338 Seiten. 22,00 Euro. ISBN 978-3-89515-067-8.

Dieser Text entstammt dem Buch »Die Früchte des Lebensbaums« aus der Reihe Gesamtwerke von Omraam Mikhael Aivanhov. Es hat 338 Seiten und kostet 22,00 Euro. Erhältlich über den Online-Shop des Prosveta Verlags.

21. September 2017

21. September 2017

Selbst wenn christliche Prediger sich anstrengen, uns an das Gebot von Jesus »Liebt eure Feinde« (Mt 5,44) zu erinnern, findet man wirklich nur sehr wenige Menschen, die fähig sind, auch danach zu leben. Viele sind nicht einmal in der Lage, ihre Freunde zu lieben. Wie sollen sie da ihre Feinde lieben? Es ist so schwierig! Um zu dieser selbstlosen, unpersönlichen Anschauung zu gelangen, muss man sich mit einem Wesen verbinden, das uns das durchschlagendste Beispiel gibt, mit der Sonne. Wie auch immer sich die Menschen aufführen mögen, die Sonne fährt fort, ihnen ihr Licht und ihre Wärme zu schicken, sie nährt und belebt sie.

Wenn ihr die höchste Moral erkennen wollt, werdet ihr sie bei der Sonne finden, und nur bei der Sonne. Und weil euer Geist in euch die Sonne darstellt, strengt euch an, beim Betrachten der Sonne euch in euch selbst bis in diese inneren Regionen zu erheben, wo ihr fühlt, dass euch nichts heimsuchen kann. Denn nur von dort aus könnt ihr fortfahren, euer Licht und eure Liebe auszusenden, was auch immer man euch antut.

20. September 2017

20. September 2017

Die Atmung und ihre Mechanismen wurden besonders von den indischen Yogis studiert. Seit Jahrtausenden haben sie verstanden, wie wichtig dieser Prozess für die Vitalität, aber auch für das gute Funktionieren der Gedanken ist. Und da sie in ihren Erforschungen sehr weit gegangen sind, haben sie auch entdeckt, dass alle Rhythmen in unserem Organismus mit den kosmischen Rhythmen in Verbindung stehen. Um also mit dieser Wesenheit oder mit jener Region der geistigen Welt in Kontakt zu treten, muss man einen bestimmten Rhythmus finden und sich diesen Rhythmus wie einen Schlüssel zu eigen machen.

Es ist genauso, wie wenn man versucht, eine Radiosendung auf einer bestimmten Frequenz zu empfangen. Um mit der Sendestation in Verbindung zu treten, muss man ihre Wellenlänge kennen. Das Gleiche gilt für die Atmung: Um mit einer bestimmten Region des Universums in Kontakt zu treten, muss man wissen, in welchem Rhythmus man atmen soll.

19. September 2017

19. September 2017

Welche guten Eigenschaften und Fähigkeiten die Menschen auch besitzen, wenn sie nicht an das Gute glauben, laufen sie Gefahr, diese zu verlieren. Warum? Weil die größten Qualitäten und Fähigkeiten ohne dieses Vertrauen in das Gute keine solide Basis besitzen und dadurch automatisch alle möglichen Deformationen in ihrem Denken und in ihrer Sicht der Dinge entstehen. Die Menschen und Situationen hören nicht auf, ihnen suspekt zu erscheinen, und sie haben Angst davor. Aber die Angst ist ein sehr schlechter Ratgeber. Wie viele Leute machen sich unter dem Einfluss der Angst schuldig, indem sie sich zu Feigheiten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten hinreißen lassen! Trotz ihrer guten Eigenschaften lassen sie sich durch diesen irrationalen und unkontrollierbaren Instinkt übermannen. Wenn die Angst vorüber ist, schämen sie sich oft für das Getane, aber dann ist es schon geschehen…

Um die Angst zu besiegen, müsst ihr fest an die Macht des Guten, das heißt, an die Vorherrschaft des Geistes in euch, glauben.

18. September 2017

18. September 2017

Alles lebt, alles schwingt und strahlt. Wenn ihr hellsichtig wärt, so würdet ihr dieses Strahlen der ganzen Schöpfung sehen. Aber selbst wenn ihr es nicht seht, könnt ihr es fühlen, was noch wichtiger ist, denn im inneren, spirituellen Leben steht das Fühlen über dem Sehen.

Es ist möglich zu sehen, aber dabei nichts zu fühlen. Der Beweis ist das, was die meisten Menschen tun: Sie sehen, aber sie profitieren nicht viel davon, weil sie in sich selbst eingeschlossen sind, Türen und Fenster sind verbarrikadiert und fast nichts kommt bis zu ihrem Bewusstsein, ihrer Sensibilität durch. Und wenn Gott persönlich käme, um sie zu besuchen, würden sie sich ohne Zweifel damit begnügen, ihn kritisch zu betrachten, weil ihnen vieles an Ihm nicht gefallen würde! Sehen alleine verändert also nichts von Grund auf, es ist Empfinden, das euch die beste Erkenntnis der Wirklichkeit gibt.

17. September 2017

17. September 2017

Der Mensch ist gezwungen zu kämpfen, weil sein Leben eine einzige Folge von Anstrengungen, Leiden und zu überwindenden Hindernissen ist. Dabei schwächt und erschöpft er sich. Man sieht es: Tag für Tag schwindet etwas in ihm und verdunkelt sich. Warum? Weil er sich nicht mit der sprudelnden und unerschöpflichen Quelle verbinden konnte – die einzige, die ihm ein immer neues Wasser, ein immer neues Leben bringen kann.

Lebendig sein bedeutet, fähig zu sein, sich zu erneuern und zu regenerieren. Doch rar sind jene, die wissen, was Erneuerung wirklich bedeutet. Die meisten verwechseln das Neue mit dem Andersartigen. Aber eine Veränderung bringt nicht unbedingt eine Erneuerung. Wirklich neu ist nur, was aus der göttlichen Quelle kommt. Mit dieser Quelle müssen wir uns verbinden, um uns zu regenerieren.

16. September 2017

16. September 2017

Es ist vorgekommen, dass mich Personen für die Berufswahl um Rat gefragt haben. Sie waren unschlüssig: Sollten sie jenen Weg einschlagen, wo sie viel Geld verdienen würden oder einen weniger einträglichen Beruf wählen, der ihnen aber Zeit für uneigennützige Tätigkeiten ließe? Meine Aufgabe als Lehrer ist es nicht, jemandem zu sagen, dass er dies oder jenes tun muss, sondern ich kann ihm nur die Konsequenzen seiner Entscheidungen erklären; dann muss er selbst entscheiden.

Also, ich bin gewöhnt, folgende Antwort zu geben. Es ist nichts Schlechtes daran, wenn Sie einen Beruf ausüben, wo Sie viel Geld verdienen, aber alles hängt von dem ab, was Sie verwirklichen wollen. Wenn Ihr Ideal das ist, was man gewöhnlich als »im Leben erfolgreich sein« bezeichnet, das heißt, Annehmlichkeiten, Macht und Einfluss zu bekommen, nun, dann verdienen Sie viel Geld! Aber wenn Sie als Ideal haben, ihr inneres Leben zu vertiefen, werden Sie nicht unbedingt viel Geld brauchen, sondern Freiheit: Das heißt freie Zeit, sicher, aber auf jeden Fall die Freiheit des Geistes. So können Sie sich auf Aktivitäten konzentrieren, die Sie vor den Zwängen schützen, welche das materielle Leben auferlegt.

15. September 2017

15. September 2017

An Gott glauben: Warum ist das für manche eine offensichtliche Tatsache und für andere eine Illusion oder gar eine absurde Vorstellung? Die Erklärung ist einfach: Jeder Mensch kommt bei seiner Geburt mit der Summe jener Erfahrungen auf die Welt, die er in seinen vorhergehenden Inkarnationen gemacht hat. Wenn jemand spontan gläubig ist, so deshalb, weil das, was er in seinen früheren Inkarnationen erforscht und bestätigt hat, in seiner Seele aufgezeichnet ist und in dieser Inkarnation als eine Intuition der göttlichen Welt erscheint. Wenn die Existenz seines Himmlischen Vaters für ihn sicher ist, so deshalb, weil er bereits seit Langem mit Ihm war und mit Ihm kommunizierte. Er wurde dadurch so stark geprägt, dass er nicht zweifeln kann: Er weiß. Der Glaube ist also ein auf Erfahrung gegründetes Wissen.

Wer im Laufe seiner früheren Inkarnationen Erfahrungen in den niederen Regionen seines Wesens gesammelt hat, der zieht aus diesen Erfahrungen Schlüsse, die er für die Wahrheit hält. Und wer Erfahrungen in den höheren Regionen von Seele und Geist gemacht hat, zieht ebenso Schlüsse und kann nicht mehr daran zweifeln, dass sich eine höhere Intelligenz in der Welt offenbart.

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