22. Juni 2017

22. Juni 2017

Wenn jemand das Haus verlässt, um andere Menschen zu treffen, bemüht er sich, in seinen Worten und Gesten, seiner Mimik und seiner Kleidung akzeptabel zu sein. Aber wenn er allein zu Hause ist, und niemand ihn sieht, lässt er sich gehen. Ist er wahrhaftig allein? Nein, er ist bewohnt von einem ganzen Volk, seinen Zellen, die lebendige und intelligente Wesen sind. Dieses Volk beobachtet ihn und sein Urteil ist viel strenger als das der Gesellschaft, denn es lässt sich nicht von Kleidern und gut einstudierten Gesten beeindrucken, sondern dadurch, was er in seinem Innersten ist.

Denkt mehr daran, dieses Volk in euch zu beachten, denn wenn es spürt, dass ihr euch innerlich zu Faulheit, Sinnlichkeit und Gewalt hinreißen lasst, sagt es sich: »Unser Oberhaupt hat uns ein Beispiel gegeben und wir werden es nachahmen. Es wird sehen, was ihm blüht.« Und schon ist die Revolution da, nicht nur in eurem psychischen Organismus, sondern auch in eurem physischen Körper. Wenn ihr dagegen fähig seid, ihm ein gutes Vorbild zu sein, ist dieses Volk in der Lage, Wunder zu vollbringen.

Die Kardinalfeste

Die Kardinalfeste

Aus Gesamtwerk 32: Die Früchte des Lebensbaums, Kapitel 17, Die Kardinalfeste

In ihrer Bahn durch den Tierkreis durchläuft die Sonne jedes Jahr die vier Kardinalpunkte (Tag- und Nachtgleichen, Sommer- und Wintersonnenwenden). Die Tag- und Nachtgleichen entsprechen den zwei Tagen im Jahr, an denen die Sonne über den Äquator geht. Tag und Nacht sind dann gleich lang, es sind der 21. März und der 21. September. Die Sonnenwenden entsprechen den zwei Tagen, an denen die Sonne jeweils ihren größten Winkelabstand von der Ebene des Äquators erreicht: Es sind der 21. Dezember, die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag, und der 21. Juni, die Sommersonnenwende, der längste Tag.

An diese vier Punkte (Tag- und Nachtgleiche, Sommer- und Wintersonnenwenden) sind vier sogenannte Kardinalfeste geknüpft: Weihnachten, Ostern, das Johannisfest und das Michaelsfest. Diese Feste wurden von den Eingeweihten eingerichtet, um die Menschen daran zu erinnern, dass die Sonne zu diesen Zeitpunkten ganz besonders mächtige Kräfte im gesamten Universum auslöst und sie diese, wenn sie sich ihrer bewusst sind, aufnehmen und zu ihrer Entwicklung nutzen können. Der Übergang von einer Jahreszeit in die andere findet an diesen vier Punkten statt. Sie gleichen außergewöhnlichen Kraftknoten, die für die jeweilige Jahreszeit bestimmt sind. Das Aussenden dieser Kräfte wird von großen Geistern organisiert und geregelt, die viele andere Geister von geringerer Größe unter sich haben. Diese sind mit der Verteilung der Energien auf der Oberfläche des Planeten beauftragt. Eine Vielzahl von Geistern ist für diese Arbeit eingespannt. Man darf nicht meinen, dass alles in der Natur mechanisch geschieht. Nein, alle Veränderungen geschehen durch die Mitwirkung von Wesenheiten, die den Auftrag haben, sich um Steine oder Pflanzen, um die Tiere oder die Menschen zu kümmern.

Beginnen wir mit der Tag- und Nachtgleiche des Frühjahrs am 21. März. Sie steht unter dem Einfluss des Erzengels Raphael. Raphael ist derjenige, der den von ihm regierten Wesenheiten den Befehl gibt, an der Vegetation zu arbeiten und überall wachstumsfördernde und regenerierende Kräfte hinzuschicken.

Erzengel Raphael lebt in der Sphäre von Merkur. Sein Name bedeutet Arzt Gottes. Die Aufgabe dieses Erzengels und aller Engel, die ihm unterstehen, besteht darin, an der göttlichen Kraft so zu arbeiten, dass sie zur Heilkraft wird. Die anderen Erzengel, die die anderen Jahreszeiten regieren, geben der göttlichen Kraft eine andere Wellenlänge und übermitteln ihr andere Tugenden. Die Menschen der Antike, die am Wissen von Raphael teilhaben wollten, wählten ganz bestimmte Tage und Formeln aus, um sich mit ihm zu verbinden. Auf diese Weise wurden ihnen manche Offenbarungen über die spezifischen Eigenschaften der Pflanzen zuteil. Der griechische Gott der Medizin, Äskulap, war mit den Kräften des Hermes (oder Merkur, wie er auch heißt), verbunden. Es ist also kein reiner Zufall, dass der Merkurstab durch Jahrtausende hindurch das Symbol der Medizin geblieben ist. Aus diesem Grunde solltet ihr – wenn der Frühling beginnt – daran denken, euch mit Erzengel Raphael zu verbinden. Bittet ihn, euch die Geheimnisse der Pflanzen, der Samen und der Blumen zu offenbaren, damit ihr von allen guten Einflüssen, die in ihnen enthalten sind und die sie um sich herum verbreiten, profitieren könnt.

Der Frühling bringt die Auferstehung der gesamten Natur mit sich und erinnert den Menschen daran, dass auch er auferstehen muss, vielleicht nicht physisch, das ist nicht so gut möglich, aber spirituell. Genauso wie der Pflanzensaft in der Vegetation wieder aufzusteigen beginnt, um sie wiederzubeleben, muss der Mensch daran arbeiten, dass der spirituelle Saft auch in ihm aufsteigt, um seine feinstofflichen Körper zu beleben.

Das große christliche Frühlingsfest ist das Osterfest, an dem die Auferstehung Christi feierlich begangen wird. So treffen das Leben der Natur und das Leben der Seele zusammen. Wer mit der Wissenschaft der Symbole vertraut ist, weiß, dass das Leben eines Eingeweihten viele Entsprechungen zum Leben der Natur hat. Das Leben eines Eingeweihten besteht aus einer Folge von symbolischen Episoden, die nach einer bestimmten Ordnung zu einem bestimmten Zweck zusammengestellt sind. Das Leben Jesu folgt nichts anderem als der Entwicklung der Erde und des Universums, es ist ein allumfassendes Symbol. Das Universum wurde wie Jesus geboren, wie er wird es auch gekreuzigt werden, und wie er wird es auferstehen (* Über das Osterfest siehe Band 209 »Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre« aus der Reihe Izvor). Die traditionelle Literatur aller Länder enthält eine Fülle von Märchen und mythischen Berichten und Erzählungen, in denen sich die Kräfte des Lichtes und der Finsternis eine Schlacht liefern. Am 21. Juni zur Sommersonnenwende, treten wir in eine Zeit ein, in der das Licht siegreich ist. Einige Tage später, am 24. Juni, wird das Johannisfest gefeiert, an dem es der Brauch ist, die ganze Nacht hindurch Feuer brennen zu lassen. Die Sommersonnenwende wird von Erzengel Uriel regiert. Die Kirche hat diesen Erzengel vollkommen außer Acht gelassen. Aber da sie Gabriel, Raphael und Michael erwähnt, welche die drei anderen Hauptfeste, Tag- und Nachtgleiche im Herbst und Frühjahr und die Wintersonnenwende regieren, kann man sich fragen, warum sie Uriel verschweigt.

Uriel ist ein Erzengel des Lichtes. Sein Name bedeutet: Gott ist mein Licht. Das Johannisfest wird gefeiert, wenn die Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs eintritt, das von Venus beherrschte Zeichen. Das ist sicher kein Zufall, denn das Johannisfest ist das Fest des Feuers und der Wärme, welche die Früchte und alle Dinge reifen lassen. Während des Sommers glüht die ganze Natur wie unter Feuer. Dieses Feuer ist aber auch das Feuer der körperlichen, sinnlichen Liebe. Und es ist bekannt, dass es in manchen Ländern in der Johanninacht zu sexuellen Ausschweifungen kommt. Ohne Zweifel ist das der Grund, warum die Kirche Erzengel Uriel und das Fest des Sommers lieber nicht feiert.

Auf dem Baum des Lebens ist Uriel der Erzengel der Sephira Malkuth, der Erde, und als solcher in Verbindung mit dem inneren Feuer des Planeten. Diesem Erzengel untersteht eine ganze Hierarchie von Engeln. Einige von ihnen arbeiten an den Metallen und Edelsteinen, eine Aufgabe, die die Griechen dem Gott Hephaistos oder Vulkan zuordneten. Vulkan arbeitete an den Steinen und an den Metallen. Zu diesem Zweck musste er das Feuer verwenden, denn allein das Feuer vermag sie zu schmelzen und schmiedbar zu machen.

Man darf die unterirdischen Regionen des metallischen und des mineralischen Feuers nicht mit den Regionen des Höllenfeuers verwechseln. Trotzdem sie nahe beieinander liegen, ist die Hölle eine Welt für sich, völlig getrennt von der Region, in welcher das Feuer seine Arbeit an den Metallen und Steinen macht. In diesen unterirdischen Werkstätten sind göttliche Geister am Werk. In der Hölle hingegen leben die gefallenen Seelen.

Wenn der Mensch während dieser Zeit der Sommersonnenwende, in der das Licht am mächtigsten ist und Nacht, Dunkelheit und Finsternis zurückweichen, bewusst und aufmerksam ist, dann werden ihm große Möglichkeiten gegeben, der inneren Finsternis den Kampf anzusagen. Und er kann darauf hoffen, sie zu besiegen. Denn dann, wenn die Nächte wieder länger werden, das Licht schwächer und die Einflüsse, die den Kreislauf aller Lebensströme verlangsamen und zusammenziehen, stärker werden, ist nicht die Zeit solche Arbeiten in Angriff zu nehmen. Es herrschen nicht mehr die inneren und äußeren Bedingungen, um den feindlichen Kräften die Stirn zu bieten. Solange das Licht jedoch siegreich ist, können diejenigen, die wirklich eine bedeutende Arbeit für die Welt machen wollen, das auch bewerkstelligen. Falls es ihnen schon gelungen ist, ihre persönlichen Probleme zu regeln, haben sie das Recht und sogar die Pflicht, weiter zu gehen.

AAls Erzengel des Feuers ist Uriel nicht nur mit dem physischen, irdischen Feuer verbunden, sondern auch mit dem Feuer der wunderbaren sexuellen Energie, die in den Geschöpfen brodelt. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, dass man mit diesem Erzengel arbeiten lernt. Denn es ist wesentlich, mit dem Feuer zusammenzuarbeiten, damit man fähig wird, alles zu sublimieren. Denn was ist die Sublimation? Der Übergang von einem Zustand in einen anderen, und den vollzieht die Wärme. Unter 0°C tritt das Wasser im festen Zustand von Eis auf. Erwärmt es ein bisschen, dann schmilzt es schon bei 1°C und ihr erhaltet Wasser. Erwärmt es noch weiter bis auf 100°C dann verwandelt es sich in Dampf. Wollt ihr dann weiter den im Dampf enthaltenen Sauerstoff und Wasserstoff voneinander trennen, dann braucht ihr eine noch größere Hitze. Wenn die Ingenieure zur Umwandlung bestimmter Flüssigkeiten oder Gase sehr hohe Temperaturen verwenden, gibt es für sie nur ein Problem: Ihre Apparate, Stromkreise und Leitungen müssen aus einem Material beschaffen sein, das solche Temperaturen aushalten kann.

Alle diese Vorgänge, die die Schulwissenschaft in der Materie anzuwenden versucht, kennt man in der esoterischen Wissenschaft schon seit uralten Zeiten. Die Eingeweihten, welche die Natur des Menschen erforschten, haben schon lange festgestellt, dass im Organismus ganze Stromkreise, Verzweigungen und Kanäle existieren, die ein Kreisen und Umwandeln ermöglichen. Es handelt sich weder um das System des Blutkreislaufs, seien es nun Kapillaren oder sehr feine Blutgefäße, noch um das Nervensystem, dessen Fäden noch viel feiner sind. Es handelt sich um noch andere, viel feinstofflichere Einrichtungen, mit denen man die Materie ganz exakt verwandeln, verfeinern und in einen ätherischen Zustand bringen kann. Dieser Prozess läuft beständig im Organismus ab, dank einem Netzwerk, das dort eingerichtet ist – in den Lungen, dem Herzen, dem Gehirn, vor allem aber in der Wirbelsäule. Diese sehr komplexen und feinstofflichen Systeme hat die kosmische Intelligenz in uns eingerichtet.

Alle diese Prozesse und Umwandlungen vollziehen sich – natürlich einmal mehr einmal weniger – in jedem Menschen, und sehr oft ohne sein Wissen. Ununterbrochen ist in Körper und Seele eine spirituelle Alchemie im Gange. Nun geht es darum, sie sich bewusst zu machen und zu wissen, dass wir alle in uns über die notwendigen Einrichtungen verfügen, um unbearbeitete Materie zu sublimieren und sie durch die Kanäle zu leiten, die sie in immer feinstofflichere Regionen leiten. Wie soll man sich nun auf einen solchen Sublimierungsprozess vorbereiten? Indem man ein reines, harmonisches Leben führt und sich bewusst all den mächtigen Lichtströmen öffnet, die der Himmel uns sendet.

Der 22. September ist der Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche, die der Erzengel Michael regiert. Die Sonne tritt dann in das Zeichen der Waage ein und eröffnet so einen neuen Zyklus. Die Früchte fallen von den Bäumen und trennen sich von ihren Hüllen, die Körner werden verlesen und je nachdem gegessen oder aufbewahrt. Später werden sie gepflanzt, damit ein neuer Zyklus beginnen kann. Dieser Trennungs- und Ausleseprozess in der Natur betrifft aber nicht ausschließlich die Vegetation, sondern auch den Menschen. Wie sich die Frucht vom Baum und der Same von der Frucht trennen, so trennt sich auch die Seele vom Körper, wenn nicht auf der physischen, so wenigstens auf der spirituellen Ebene. Der Körper stellt die Hülle dar und die Seele den Samen, der oben im Himmel gesät wird. Am Tage, an dem diese Frucht – der Mensch – reif ist, muss sie nicht wie der Same einer Pflanze wieder in den Boden zurück, sondern darf zum Himmel aufsteigen. Im Herbst findet die Trennung statt, die Hermes Trismegistos meint, wenn er sagt: »Du sollst das Feine vom Groben scheiden, und zwar sanft und mit großer Kunstfertigkeit«. Das Feine vom Groben trennen bedeutet, das Spirituelle vom Materiellen trennen. Im Herbst findet dieser Trennungsprozess in der gesamten Natur statt, um neues Leben vorzubereiten. Genau wie Erzengel Michael die Seele vom Körper trennt, indem er den Körper sterben lässt, genauso lässt der Eingeweihte eine Materie in sich absterben, damit sich das Leben befreien kann.

Die Trennung ist ein Gesetz des Lebens. Denkt nur an die Ernährung. Es gibt immer wieder etwas auszulesen, zu putzen und zu schälen, und das, was wir auf der materiellen Ebene so leicht tun, müssen wir auch auf der spirituellen Ebene tun können. Leider ist es dort sehr schwierig. Die meisten Leute wissen nicht, was sie wegnehmen oder hinauswerfen sollen und schlucken alles, so wie die Katze die Maus mit Fell und Eingeweide verschlingt! Das müssen wir also jetzt bei Erzengel Michael lernen, das Auslesen, das Unterscheiden; das Reine vom Unreinen, das Nützliche vom Unnützen, das Schädliche vom Wohltuenden, das Tote vom Lebendigen. In einem Mangel an Unterscheidungsvermögen liegt die Ursache allen Unheils.

Erzengel Michael trennt die Seele vom Körper, denn die Seele muss reisen, andere Regionen des Weltenraumes aufsuchen, statt ewig auf der Erde zu verweilen. Der Eingeweihte, der die Natur beobachtet hat, sagt sich: »Meine Seele ist gefesselt, wie kann ich sie befreien? Wie kann ich sie aus dieser dichten Materie herauslösen?« Man muss darauf warten, bis sie reif ist. Dann wird Erzengel Michael sie aus ihrer Schale befreien. Das Michaelsfest hat einen außerordentlich tiefen Sinn für diejenigen, die verstanden haben, dass es ihnen die vollständige Befreiung bringen kann.

Der Tod, das Verlassen des physischen Körpers ist ein Aufstieg zu den höheren Regionen. Die Seele wird von Erzengel Michael weggetragen und von ihm auf seiner Waage gewogen. Sein Schwert durchtrennt die Bande, die den Menschen auf der Erde zurückhielten, dann wird die Seele gewogen, gerichtet und in die ihrer Entwicklungsstufe entsprechende Region geschickt.

Die Kräfte, die Erzengel Michael regiert, sind Kräfte des Gleichgewichts und der Gerechtigkeit, also des Unterscheidungsvermögens zwischen Gut und Böse, mit dem Ziel, das Gute zu befreien und das Böse umzuwandeln. Gut und Böse sind aber derart verflochten, dass man sie nicht vorzeitig voneinander trennen kann, ohne dass Risse dabei entstehen würden. Die Kunst, Gegensätze voneinander zu trennen, ist die schwierigste, die es gibt. Seit eh und je haben sich die Eingeweihten von der Natur in dieser Kunst unterweisen lassen. Man kann die Nuss nicht von ihrer Schale trennen, doch die Natur weiß, wie sie es machen muss: Sie bringt die Frucht zur Reife, die Schale öffnet sich von selbst und die Nuss befreit sich. Dasselbe geschieht mit dem Kind im Mutterleib. Es ist mit ihr verbunden und man kann es nicht frühzeitig von ihr trennen, sonst sterben beide. Wenn man aber wartet, fällt die Frucht von selbst und man kann das Band zwischen Mutter und Kind durchtrennen. Diese Trennung ist ein Symbol der Reife.

Denkt an die Parabel vom Unkraut und dem Weizen im Evangelium. Der Besitzer des Feldes antwortete seinen Arbeitern auf die Frage ob sie das Unkraut zwischen den Weizenhalmen ausreißen sollten: »Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut den Weizen aus. Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune.« Die Zeit der Ernte ist die Zeit, in welcher die Früchte reif sind. Um das Gute vom Bösen trennen zu können, muss man also diese Zeit abwarten. Diese Trennung ist das Werk des Erzengels Michael.

Erzengel Michael ist es, der die entscheidende Rolle beim Reinigungsprozess der Erde spielen wird. Im Laufe der Jahrhunderte hat eine Vielzahl schädlicher Wesen unermessliche zerstörerische Kräfte verbreitet. Diese Kräfte haben sich in einem Reservoir angesammelt und die Form eines Ungeheuers angenommen, das man Drache oder Schlange nennt. Von diesem Ungeheuer wird gesagt, es verleite die Nationen, führe die Kinder Gottes auf Irrwege und erschaffe alles Unheil der Menschheit. Dieses Egregore besitzt eine ungeheure Kraft. In der Vergangenheit haben kühne, selbstlose Menschen einen unerbittlichen Kampf gegen den Drachen geführt. Bis heute ist es aber keinem gelungen, den Sieg davonzutragen. Wenn die Zeit aber reif ist, wird Erzengel Michael sich erheben und ihn zu Boden werfen. Erzengel Michael ist der Einzige, der dieses Egregore besiegen kann. Mit Hilfe seines Heeres wird er verwirklichen, was so viele seit Jahrhunderten vom Schöpfer erbitten. Seine Tat ist in der Apokalypse und in den heiligen Büchern vorhergesagt worden. Aus diesem Grunde müssen wir uns mit Erzengel Michael verbinden, ihn um seinen Schutz bitten und um die Möglichkeit, mit ihm wirken zu dürfen, um seinen Sieg zu verstärken. Das Licht wird die Finsternis überwinden, das ist vorausgesagt und so wird es sein. Warum sollte man also nicht an diesem Ereignis teilnehmen wollen? Die Kinder Gottes, deren Namen in der Liste derer stehen werden, die am Kampf des Erzengels Michael teilgenommen haben, dem Genius der Sonne, einer der lichtvollsten Kräfte Gottes, werden den Kuss des Feuerengels empfangen. Und dieser Kuss wird sie nicht verbrennen, sondern erleuchten.

Am 21. Dezember findet die Wintersonnenwende statt, die von Erzengel Gabriel regiert wird. Ein paar Tage später ist das Weihnachtsfest, an dem eine Geburt gefeiert wird, d.h. etwas, das herabsteigt in die Materie, das sich verdichtet, kristallisiert, genauso wie im Winter alles unbeweglich wird und erstarrt.

Erzengel Gabriel lenkt die Kräfte, die die Eigenschaft haben, die Materie zu verdichten. Er ist der Erzengel des Mondes, der die Dinge kondensiert. Wäre der Mond nicht von anderen Einflüssen daran gehindert worden, dann hätte er alles – Pflanzen, Tiere und Menschen – materialisiert und versteinert. Erzengel Gabriel kümmert sich also um den Materialisierungsprozess. Wenn die Eingeweihten eine Idee oder einen Plan materialisieren wollen – selbst wenn diese Materialisierung keiner eigentlichen Geburt entspricht – benützen sie dieses Fest, um ihr Ziel zu erreichen, weil dann überall die Bedingungen dafür herrschen. Zu dieser Zeit wird etwas auf der Erde geboren. Die anderen Hauptfeste entsprechen eher einer Befreiung, einer Auferstehung und einem Entflammen; nur das Weihnachtsfest ist mit einer Verwirklichung auf der Erde verbunden (Über das Weihnachtsfest siehe Band 209 »Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre« aus der Reihe Izvor).

Die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden, d.h. die vier Hauptfeste, sind also die vier wesentlichen Zeitpunkte des Jahres. Sie werden regiert von Merkur (Frühjahrs-Tagundnachtgleiche), Venus (Sommersonnenwende), der Sonne (Herbst-Tagundnachtgleiche), und dem Mond (Wintersonnenwende). An diese Punkten feiert die ganze Natur. Die Engel, die Erzengel, alle Kräfte der Natur und sogar die Göttliche Mutter selbst nehmen an diesem Fest teil. Nur die Menschen, die sich der Bedeutung dieser Feste nicht bewusst sind, wissen nicht, wie sie diese besonders günstigen Momente leben sollen, in denen wunderbare Kräfte das Universum durchströmen.

Schaut euch an, wie die meisten Menschen diese Feste feiern, ganz besonders Weihnachten. Für sie sind diese Feste nur günstige Gelegenheiten zur Prasserei, für Ausschweifungen und Torheiten aller Art, nach denen sie sich dann geschwächt und schlapp wiederfinden. Ein Fest wie Weihnachten, das ihnen Erneuerung und Licht bringen sollte, bringt ihnen letztlich nur eine Trübung des Bewusstseins.

Neulich habe ich im Fernsehen eine Sendung zum Thema »Feiern« gesehen. Man hatte Schriftsteller, Filmemacher, Soziologen und Journalisten dazu eingeladen. Alle sagten, das Feiern tue einem gut, es sei angenehm, bringe Entspannung, Unterhaltung und Abwechslung von der täglichen Arbeit… Dabei ist mir aufgefallen, dass alle nur von Vergnügen sprachen, von Zerstreuung und Zeitvertreib. Nie war die Rede davon, wie man von dieser Ruhezeit, von dieser Freude profitieren könnte, um voranzukommen, sich zu entwickeln, schöner, edler und strahlender zu werden. Ich war sprachlos. Alle sagten, man müsse sich amüsieren, sich vergnügen und sogar »die Zeit totschlagen«. Keiner kam auf die Idee zu sagen, dass das Feiern auch dazu beitragen kann, dass der Mensch sich erhebt, besser wird, edler wird.

Verzeiht mir, vielleicht bin ich etwas eigenartig, vielleicht sogar ein ausgemachter Sonderling. Aber was wollt ihr, für mich müssen alle Tätigkeiten, alle Beschäftigungen, alle Feste einem einzigen Ziel, einem spirituellen Ideal dienen: wie man besser wird, wie man nützlicher wird. Natürlich kann man so handeln wie jedermann. Ihr könnt Feste feiern, wenn es euch Spaß macht, aber ihr werdet ewig dieselben bleiben, schwach, kümmerlich, unentschlossen, Sklave, Opfer, trotz all eurer Muße und eurer Vergnügungen. Warum? Weil euch ein Ideal fehlt. Ich komme immer wieder auf dieses Thema zurück und frage jemanden: »Was haben Sie für ein Ideal? – Oh! Ich weiß es nicht… – Dann ist es aus mit Ihnen.« Aber ja, die Menschen haben nicht begriffen, welchen Vorteil es bedeutet, ein erhabenes Ideal, ein Ideal der Vollkommenheit zu haben. Nur das gibt dem Leben einen Sinn.

Sèvres, den 29. September 1958

Die Kardinalfeste - Auszug aus Gesamtwerk 32 "Die Früchte des Lebensbaums", Kapitel 17 "Die Kardinalfeste" - 338 Seiten. 22,00 Euro. ISBN 978-3-89515-067-8.

Dieser Text entstammt dem Buch »Die Früchte des Lebensbaums« aus der Reihe Gesamtwerke von Omraam Mikhael Aivanhov. Es hat 338 Seiten und kostet 22,00 Euro. Erhältlich über den Online-Shop des Prosveta Verlags.

21. Juni 2017

21. Juni 2017

Warum betrachten wir die aufgehende Sonne? Warum konzentrieren wir uns auf sie? Um zu lernen, all unsere Gedanken, all unsere Wünsche, all unsere Energien zu mobilisieren und sie auf die Verwirklichung des höchsten Ideals auszurichten.

Derjenige, der daran arbeitet, die Vielzahl der chaotischen Kräfte, die ihn in alle Richtungen ziehen, zu vereinigen, um sie in eine einzige, lichtvolle, segenbringende Richtung zu lenken, wird zu einem derart kraftvollen Zentrum, dass seine Gegenwart – wie die Sonne – fähig ist, im Raum zu strahlen. Ja, der Mensch, dem es gelingt, die Neigungen seiner niederen Natur zu beherrschen, kann seine Wohltaten über die ganze Menschheit ausbreiten, und er wird selbst zu einer Sonne. Er lebt in einer solchen Freiheit, dass er das Feld seines Bewusstseins ins Unendliche ausdehnt und allen den Überfluss an Licht und Liebe, der aus ihm hervorströmt, zugutekommen lässt.

20. Juni 2017

20. Juni 2017

Lest über das Leben von Heiligen, Propheten und Eingeweihten. Alle hatten schreckliche Prüfungen durchzustehen. Einige, die den Sinn dieser Prüfungen verstanden, verloren nicht den Mut und lehnten sich nicht auf. Sie wussten, dass sie dank dieser Prüfungen zu göttlichen Wesen werden würden. Andere hingegen, die noch nicht genügend Licht besaßen, waren am Boden zerstört und empörten sich sogar manchmal: Warum kam der Himmel ihnen nicht zu Hilfe? Sie hatten ihm alles geopfert und wurden von ihm im Stich gelassen!

Was den Spiritualisten oft fehlt, ist das wahre Wissen. Sie denken, weil sie ihr Leben Gott geweiht haben, müsse nun Milch und Honig fließen und sie würden nun weiße Gewänder und Kronen erhalten. Es ist wahr, dass man in der Bibel solche Versprechen findet, und es ist auch wahr, dass dies geschehen wird… aber erst nachdem alle Prüfungen bestanden sind! Bis dahin muss ein Mensch, der das wahre Licht besitzt, lernen, die Prüfungen, wie schlimm sie auch seien, in den Dienst seiner Weiterentwicklung zu stellen.

19. Juni 2017

19. Juni 2017

Jemand, der verliebt ist, hat keinerlei Zweifel an dem, was er fühlt. Dabei kann er seine Liebe weder sehen noch anfassen, weil das Gefühl etwas Ungreifbares ist. Wenn jemand eine Meinung oder bestimmte Überzeugungen hat, sieht er sie dann, kann er sie berühren? Nein, und doch ist er manchmal bereit, für sie zu kämpfen und zu sterben. Und wer sagt: »Bei meiner Seele und meinem Gewissen verurteile ich diesen Mann«, der spricht ein folgenschweres Urteil aus im Namen von etwas, das er noch nie gesehen hat. Wie kommt es, dass er dieser Seele und diesem Gewissen, die unsichtbar sind, plötzlich eine solche Wichtigkeit beimisst?

Ohne es zu bemerken, glauben alle an unsichtbare, ungreifbare Dinge. Alle fühlen, lieben, leiden, weinen aus unsichtbaren Gründen. Und dann geben sie vor, nur an das zu glauben, was sie sehen und anfassen können! Welch ein Widerspruch!

18. Juni 2017

18. Juni 2017

Ihr habt einen Baum in eurem Garten – mehrmals am Tag geht ihr an ihm vorbei, ohne Acht zu geben, so als sei er ein Teil einer Theaterdekoration aus Karton oder Gips. Ihr könnt aber auch das Bewusstsein haben, dass er ein lebendiges Wesen ist, und könnt sogar zu ihm hintreten, um ihn zu grüßen, zu ihm zu sprechen, euch durchdringen zu lassen von dem, was er darstellt.

Ihr sagt: »Einen Baum grüßen, mit ihm sprechen, aber warum?« Oh, physisch, materiell, ändert sich natürlich nichts. Aber auf der feinstofflichen Ebene bereichert sich der Baum durch eure Gegenwart, und gleichzeitig bereichert ihr euch durch ihn. Ihr selbst werdet sogar am meisten gewinnen: Ihr tretet in Verbindung mit dem Leben, das von den Wurzeln bis zu den Spitzen der Äste zirkuliert. Und dann lernt ihr auch die unsichtbaren Wesenheiten kennen, die in ihm wohnen und die sich um ihn kümmern. Ja, Wesenheiten befassen sich überall in der Natur damit, das Leben zu unterhalten.

17. Juni 2017

17. Juni 2017

Sucht die Hellsichtigkeit nicht mit den Mitteln und Methoden des Okkultismus. Denn die wahre Hellsichtigkeit, die wahren Augen befinden sich im Herzen, und die Liebe ist es, welche die Augen öffnet. Die Frau die einen Mann liebt, sieht in ihm Dinge, die niemand sonst sieht. Und wenn sie ihn einer Gottheit gleich findet, darf man ihr nicht sagen, dass sie sich täuscht! Objektiv gesehen täuscht sie sich tatsächlich. Doch wenn sie die Tugenden und schönen Seiten des Geliebten zu übertreiben scheint, so deshalb, weil sie ihn so sieht, wie Gott ihn ursprünglich erschaffen hat oder wie er sein wird, wenn er einmal in den Schoß des Unendlichen zurückgekehrt ist.

Man hat die Fähigkeit der Liebe, die Augen der Seele zu öffnen, noch nicht verstanden. Wer hellsichtig werden will, muss lernen zu lieben. Sein Herz muss um Hilfe schreien wie der Blinde im Evangelium: »Erbarme dich unser!« (Mt. 9,27). Stoßt einen Hilferuf aus, dann wird das kosmische Licht eines Tages kommen und fragen: »Was kann ich für dich tun?« – »Mir die Augen öffnen!« Und ihr werdet erhört und eure Augen werden sich öffnen.

16. Juni 2017

16. Juni 2017

Unter dem Vorwand der Unabhängigkeit und der Freiheit weigern sich viele Menschen, am kollektiven Leben teilzunehmen. Im Gegenteil, diese Leute wissen nicht, wie sehr sie sich dadurch begrenzen. Sie bewegen sich wie Kinder in dem kleinen Kreis ihrer Gefühle, ihrer Wünsche, ihrer Begierden. Wie armselig und beklagenswert! Dieser Zustand der Begrenzung ist normal für ein Kind, aber er ist es nicht für den Erwachsenen.

Der Erwachsene muss sich fähig zeigen, an andere Menschen zu denken: zuerst natürlich an die Familie, aber auch an die Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen und Mitbürger. Und sogar das ist noch begrenzt. Der Kreis muss sich immer mehr erweitern auf die Heimat, das Volk, die ganze Menschheit und noch weiter: die Unermesslichkeit, die Unendlichkeit, das Universum. Man findet selten Menschen, die jenseits aller Begrenzungen angekommen sind, deren Wünsche, Gedanken und Interessen die gemeinschaftliche, allumfassende Seite des Lebens anstreben. Aber man sollte sich anstrengen, gerade in diese Richtung zu arbeiten.

15. Juni 2017

15. Juni 2017

Die Silbe Om entspricht dem, was wir in der abendländischen Überlieferung Logos, das schöpferische Wort nennen. In der hinduistischen Tradition stellt sie den Urlaut dar und sie wird mit Kalahamsa verbunden, diesem mythischen Vogel, der das erste Ei gelegt hat, aus dem das Universum hervorgegangen ist.

Om ist eine Silbe mit sehr mächtigen Schwingungen, aus der die Hindus ein Mantra gemacht haben. Sie wiederholen es unaufhörlich in ihren Meditationen. Ihr könnt dieses Mantra auch entweder laut oder in Gedanken aussprechen. Konzentriert euch auf dieses Wort, ohne an etwas anderes zu denken, und wiederholt: Om, Om, Om… Ihr könnt es auch mit einer Atemübung verbinden. Ihr atmet durch die Nase ein und sprecht gedanklich vier Mal Om, dann atmet ihr sehr langsam durch den Mund aus und wiederholt von Neuem die Silbe Om. Nach einiger Zeit fühlt ihr euch beruhigt und mit Energie aufgetankt.

Die Silbe Om lässt sich aufgliedern als Aum, und in dieser Form singen wir sie. Wer sich der magischen Kraft der Klänge bewusst ist, spürt nach und nach, welch vollkommene Form dieses Lied in seiner Seele hervorruft.

14. Juni 2017

14. Juni 2017

Wenn ihr einer Schwierigkeit begegnet oder wenn man euch ein unangenehmes Ereignis mitteilt, beobachtet eure Reaktion… Sofort setzt sich innerlich ein Mechanismus in Bewegung: Ihr beunruhigt euch, stellt euch das Schlimmste vor, und so geschieht es durch eure eigene Schuld, dass das, was ein kleines Steinchen war, als ein enormer Felsblock in eurem Gehirn endet, der euren Weg versperrt. Das ist unvernünftig.

Seid in Zukunft vorsichtig: Im Augenblick, da man euch eine unangenehme Nachricht ankündigt oder ihr euch mit einer schlechten Überraschung konfrontiert seht, anstatt sofort Wut, Entmutigung oder Betrübtheit in euch aufsteigen zu lassen, haltet an und sagt: »Ich warte mal, vielleicht ist es gar nicht so schlimm, die Dinge können sich arrangieren lassen«. Also, anstatt dieses Ereignis maßlos zu übertreiben und sogar erschlagen zu sein, noch bevor es stattgefunden hat, werdet ihr stärker. Warum seid ihr euch nicht nur des Bösen immer so sicher, sondern meint auch, dass immer das Schlimmste eintreten wird?

Pages:1234567...464»