24. Juni 2018

Das Johannisfest wird am 24. Juni gefeiert. Es steht unter dem Schutz des Erzengels Uriel, der dem Sommer vorsteht. Die Kirche nennt gewöhnlich nur drei Erzengel: Gabriel, Raphael und Michael, die verantwortlich für die drei Kardinalfeste sind: die Wintersonnenwende (Gabriel) sowie die Tag- und Nachtgleiche des Frühlings (Raphael) und des Herbstes (Michael). Warum übergeht sie schweigend den Erzengel Uriel? Uriel ist ein Erzengel des Lichts, sein Name bedeutet: »Gott ist mein Licht«.

Zum Johannisfest, das zu dem Zeitpunkt stattfindet, da die Sonne in die Konstellation des Krebses eintritt, zündet man in der Nacht auf den Feldern Feuer an, denn es ist das Fest des Feuers, der Wärme, die die Früchte und alles andere reifen lässt. Während des Sommers steht alles unter Feuer. Es ist dies auch das Feuer der Liebe, der physischen, sinnlichen Liebe, dieser gewaltigen Energie, die in den Geschöpfen aufwallt. Das Fest des heiligen Johannes ist also da, um den Schüler daran zu erinnern, dass er, um das Feuer der Leidenschaften zu beherrschen, lernen muss, mit dem Feuer der göttlichen Liebe zu arbeiten, um dem Feuer der zerstörerischen Leidenschaften zu entkommen.

23. Juni 2018

»Ich will mein Leben leben.« Mit diesen Worten erklären so viele Männer und Frauen ihr Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Aber dieses Leben, das sie leben wollen, ist das ein tierisches oder ein göttliches Leben?… Die Wahrheit ist, dass all diejenigen, die behaupten »ihr Leben zu leben«, nicht allzu viel an ein göttliches Leben denken: Sie stürzen sich in chaotische Abenteuer und schlussendlich verschwenden und verlieren sie ihr Leben.

Der Schüler weiß, dass, wenn er sein Leben bewahren will, er es in den Dienst des Himmels stellen muss, indem er sagt: »Herr, ich beginne mir bewusst zu werden, dass ich ohne Dich, ohne Dein Licht, nichts bin. Indem ich nur tun wollte, was mir passte, habe ich mich geschwächt und verarmt. Von jetzt an weihe ich Dir mein Leben, um endlich etwas Nützliches für die ganze Welt zu tun.« Daraufhin werden die Herren des Schicksals beraten und beschließen: »Ab jetzt stellen wir dieses Wesen unter die göttliche Vorsehung.« Dieses Dekret wird in allen Bereichen des Raumes verkündet werden; die Engel und alle Diener des Himmels werden sich sofort danach richten, und ihr werdet feststellen können, dass euer Leben dabei ist, einen wahren Sinn zu bekommen.

22. Juni 2018

Ihr sehnt euch nach der Schönheit, dem Licht, und ihr seid unglücklich, weil ihr spürt, dass ihr es innerlich nicht schafft und weiterhin in der Dunkelheit herumirrt. Wessen Fehler ist dies? Lasst ihr euch nicht zu stark von den prosaischen Beschäftigungen des Alltags in Beschlag nehmen? Natürlich sind sie notwendig, und es geht nicht darum, sie aufzugeben, sondern zu lernen, sie wenigstens einen Moment lang abzusetzen, so wie man eine Last abstellt. Jene, die für eine Expedition im Hochgebirge Gepäck transportieren, stellen es von Zeit zu Zeit ab, um zu verschnaufen, sie setzten sich hin, knabbern eine Kleinigkeit, stillen ihren Durst, dann nehmen sie ihre Last wieder auf und gehen weiter…

Trachtet danach, es auch so zu machen: Lasst einen Moment eure materiellen Sorgen fallen. Ihr könnt sicher sein, dass niemand kommen wird, um sie euch wegzunehmen: Es gibt nicht viele Kandidaten, die sich die Lasten der anderen aufbürden! Stellt sie also in vollem Vertrauen hin und verbindet euch mit der göttlichen Welt; die Schönheit und das Licht, nach denen ihr euch sehnt, werden niemals aufhören, euch zu begleiten.

21. Juni 2018

Das Feuer hat zahlreiche Anwendungen. Es nimmt an allen chemischen Prozessen teil, es schmilzt die Metalle, es kocht die Nahrung, um sie verdaubar zu machen, es gibt Wärme, es spendet Licht, es reinigt… Auf der spirituellen Ebene hat das Opfer die gleichen Aufgaben wie das Feuer.

Jedes Mal, wenn ihr ein Opfer bringt, zündet ihr ein Feuer an. Ihr beschließt zum Beispiel, eine schlechte Gewohnheit abzulegen: Eine Materie beginnt sich dann in euch aufzuzehren, und sie verströmt eine Energie, die euch bei eurer spirituellen Arbeit unterstützt. Jedes Opfer ist eine Gabe, die ihr aus euch selbst gebt, um im Austausch reinere Energien zu erhalten, die euch erlauben, weiter und höher zu gehen. Deshalb ist das Opfer eine magische Handlung: Dank ihm habt ihr alle Möglichkeiten, etwas Nützliches, Schönes, Großes in eurem Herzen und eurer Seele zu erschaffen, aber auch im Herzen und in der Seele aller Wesen.

20. Juni 2018

Die Liebe macht mutig; sie gibt den Menschen die Überzeugung, dass sie für die Menschen, die sie lieben, alles tun können, dass sie sie heilen und sie retten können. Leider genügt die Liebe nicht, um jemanden zu retten. Es gibt Menschen, die von einem selbstzerstörerischen Instinkt besessen sind, und um sie dem Alkohol, den Drogen oder den Selbstmordgedanken zu entreißen, genügt eure Liebe nicht: Es braucht ein Wissen und Methoden. Andernfalls werdet ihr sie nicht nur nicht retten, sondern sie selbst werden euch psychisch und moralisch zerstören, und manchmal sogar physisch.

Es ist also nicht so einfach, jemanden zu retten. Man muss sehr stark sein, um zu widerstehen und bis zum endgültigen Sieg weitermachen zu können. Überschätzt also eure Fähigkeiten nicht, analysiert euch, um eure Kräfte zu messen, und wenn ihr spürt, dass sie ungenügend sind, so wendet euch an die lichtvollen Wesen der unsichtbaren Welt und bittet sie um ihre Gunst für dieses unglückliche Geschöpf, das ihr liebt. Aber schützt euch selbst und bringt keine unnötigen Opfer, die auch euch zerstören würden.

19. Juni 2018

Sobald ihr einer schwierigen Situation begegnet, ist es am besten, sofort eine richtige innere Haltung einzunehmen, um sie zu bewältigen. Warum reagiert ihr zum Beispiel im Falle eines Misserfolgs so, als ob ihr alles verloren hättet, als ob die ganze Welt zusammenbräche? Zählt euch stattdessen auf, was ihr noch besitzt: eine Familie, Freunde, Gesundheit, all eure psychischen und spirituellen Fähigkeiten… und dankt dem Himmel für diesen Reichtum.

Anstatt euch immer darauf zu konzentrieren, was euch fehlt oder was ihr verloren habt, und darunter zu leiden, lernt, euch an dem zu erfreuen, was ihr habt oder was ihr noch gewinnen könnt. Dass ihr einen Moment über eine Beleidigung, eine Enttäuschung, einen Misserfolg bekümmert seid, das ist normal. Nicht zu entschuldigen ist hingegen, wenn ihr eure Sorgen weiterhin wälzt und all die anderen Gründe vergesst, die ihr habt, um glücklich und dankbar zu sein. Gebt euch einen Ruck, mein Gott! Sonst wird ein Tag kommen, an dem ihr euch nicht mehr von dieser Neigung zur Mutlosigkeit frei machen könnt, und von da an werdet ihr wahrhaftig erdrückt.

18. Juni 2018

Die Materie der Nahrungsmittel, die wir jeden Tag essen, ist uns von den vier Elementen gegeben: der Erde, dem Wasser, der Luft und dem Feuer. Wir werden also von Materieteilchen genährt, die aus dem Raum und sogar aus dem gesamten Universum kommen. Sie gelangen bis zu uns, angefüllt mit kosmischem Leben, und es ist wichtig für uns, sie in dem Bewusstsein zu empfangen, dass sie die Substanz unseres physischen und psychischen Körpers bilden werden. Man sollte daher sehr aufmerksam sein, und das umso mehr, weil diese vom Leben des Universums geprägten Nahrungsmittel auch unsere Worte, Gefühle und Gedanken in sich aufnehmen werden. Wer aufgeregt und schlecht gelaunt isst und über seine Mitmenschen herzieht, ist dabei, die Nahrung mit vergifteten Teilchen zu durchdringen, und indem er sie zu sich nimmt, vergiftet er sich selbst.

Während dem Essen hat das Denken somit auch seine Rolle zu spielen. Durch das Denken können wir der Nahrung Elemente des Lichts und der Ewigkeit zuführen.

17. Juni 2018

Gemeinsam bedeutet nicht brüderlich. Eine Gemeinschaft ist noch keine Bruderschaft. Eine Gemeinschaft ist eine Ansammlung von Leuten, die keinerlei Verbindung untereinander haben müssen. Eine Stadt z.B. ist eine Gemeinschaft, aber all diese Leute, welche diese Gemeinschaft bilden: Kennen sie sich, schätzen sie sich, verstehen sie sich und arbeiten sie bewusst mit Liebe füreinander? Nein, die meisten leben, ohne sich um die Verbindungen, die sie vereinen sollten, zu kümmern; sie bilden also noch keine Bruderschaft.

Eine Bruderschaft ist sicher zuerst eine Gemeinschaft, aber eine Gemeinschaft, die ein weites, lichtvolles Bewusstsein besitzt. Es ist eine Gemeinschaft, deren Mitglieder untereinander einig sind und nicht nur füreinander arbeiten, sondern das Ideal haben, für die ganze Welt zu arbeiten. Eine wirkliche Bruderschaft ist eine Gemeinschaft, die ein universelles Bewusstsein besitzt.

16. Juni 2018

Das, was jeder »Wirklichkeit« nennt, entspricht dem Bewusstseinsgrad, den er erreichen konnte und der ihm diese oder jene Wahrnehmung der Wesen und Dinge vermittelt. Ihr meint, dass es – wenn man von der Wirklichkeit spricht – um etwas Objektives außerhalb von uns geht, worüber sich alle einig sein können. Dem Anschein nach ja, aber nur dem Anschein nach, weil die objektive Realität, wie auch immer sie beschaffen sein mag, notwendigerweise unsere Subjektivität durchqueren muss, um berührt, empfunden und erkannt zu werden. Niemand ist jemals ein unempfindlicher und kalter Spiegel der Wirklichkeit.

Wie stark unser Wunsch nach Objektivität auch sein mag, wir bearbeiten die Realität, wir fügen ihr immer etwas hinzu oder schneiden etwas von ihr ab. Es ist immer die Subjektivität, die dominiert. Setzt mehrere Maler gemeinsam vor dieselbe Landschaft, sie werden keineswegs die gleichen Bilder malen, denn es gibt psychische Faktoren, die bewirken, dass sie nicht dasselbe sehen. Wenn man daher von der »Wirklichkeit« spricht, spricht man oft nur von sich selbst.

15. Juni 2018

Die Vorstellung, die sich die Menschen vom Glück machen, ist immer mehr oder weniger mit Besitz verbunden: Geld, Haus, Auto, Beruf…, Freunde, eine Frau, Kinder. Solange sie das nicht erreicht haben, sind sie unglücklich, und wenn sie es verlieren, ist es eine Katastrophe. Wenn sie aber eines Tages entdecken, was das wahre Glück ist, verstehen sie, dass es in Wirklichkeit von keinem Gegenstand, Besitz oder Menschen abhängig ist, denn es kommt von woanders her, von der Welt der Seele und des Geistes.

Das wahre Glück ist ein Bewusstseinszustand, den selbst die Schwierigkeiten und Prüfungen des Lebens nicht beeindrucken können, weil es eben von keinen äußeren oder materiellen Bedingungen abhängt. Dieses Glück kann man nur erlangen, indem man in Gedanken in den Ozean der universellen Harmonie eintaucht. Es ist etwas so Natürliches wie die Atmung: einatmen, ausatmen… einatmen, ausatmen… Ja, das wahre Glück ist eine Atmung der Seele.

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